Mahlers Auferstehungsinfonie und Pfingsten – Erläuterungen zum Aufführungszeitpunkt

Der Beiname von Gustav Mahlers Zweiter Sinfonie orientiert sich am letzten Satz, in dem eine von Mahler selbst angefertigte Bearbeitung des Klopstockschen Gedichts „Die Auferstehung“ vertont wird.

Der Auferstehungs- und Erlösungsgedanke muss bei Mahler, der ja erst 1897 vom Judentum zum Katholizismus konvertierte, sehr weit gefasst werden. Er ist durchaus christlich, aber an einer in seiner Zeit verbreiteten philosophisch bis religiös deistischen Strömung orientiert, die Erlösung auch als Folge des menschlichen Bemühens auffasst, sich „die Bedingungen seines zukünftigen Seins selbst“ zu schaffen (Gustav Theodor Fechner).

Mahler selbst hat aber in einem Brief an König Albert von Sachsen am 14.12.1901 formuliert: „Auferstehen, ja aufersteh’n wirst du! Da erscheint die Herrlichkeit Gottes! [...] Und siehe da: Es ist kein Gericht – Es ist kein Sünder, kein Gerechter – kein großer und kein Kleiner – Es ist nicht Strafe und nicht Lohn! Ein allmächtiges Liebesgefühl durchleuchtet uns mit seligem Wissen und Sein!“

Die Frage nach dem Sterben des Menschen und den Verbindungen zwischen seinem Leben vor und nach dem Tod sind Thema des letzten Satzes. Die Aufführungen von Mahlers Zweiter Sinfonie durch das junge orchester NRW um das Pfingstfest 2012 herum tragen dem Rechnung.

Einerseits bindet das apotheotische „Liebesstreben“ des Finales die Zweite an das Pfingstgeschehen an, indem Liebe als Frucht des Heiligen Geistes verstanden wird (Gal 5, 22f.). Darüber hinaus wird das Sterben des Menschen immer wieder auch als Aufgehen im Geist verstanden. Andererseits lenkt Pfingsten als Abschluss der Osterzeit den Blick zurück zum Thema der Erlösung mit dem „Aufersteh’n“-Ruf als Abschluss der Sinfonie: „… Sterben werd’ ich, um zu leben. – Aufersteh’n wirst du, mein Herz, in einem Nu! Was du geschlagen, zu Gott wird es dich tragen!“ Ostern und Auferstehung (d.h. Erlösung) können ohne Pfingsten und Geist (d.h. Erkenntnis) nicht verstanden werden.

© Dr. Claudia Korsmeier

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